Raumbühne

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DIE RAUMBÜHNE
Installative Präsentation eines Theaterraums
27. Juni 2020 – 17 Uhr
04. Juli 2020 – 17 Uhr


Eintritt frei

 

Die Raumbühne im ehemaligen Wasserwerk / die Andere Welt Bühne (Strausberg)

Die Avantgarde findet – natürlich – in der Provinz statt.

Mit der Spielzeit 2020 präsentiert die Andere Welt Bühne ihre vor Ort entstandene zweigeschossige Raumbühne als große Weiterentwicklung einer Drehbühne in der Industriehalle des ehemaligen Wasserwerks in Strausberg (Brandenburg).

Die neue, prägende Einrichtung verbindet kunsthistorische Inspiration und Recherche mit Überlegungen zu ökologisch achtsamer Nachhaltigkeit im Theaterbetrieb und originärer ästhetischer Wirkungsabsicht – dies alles vor Ort umgesetzt und also einzigartig im Sinne von: nicht universell und übertragbar.

– Kunstgeschichte –

Allein die Inspiration kommt nicht nur aus dem Wald: Friedrich Kieslers Entwürfe und Überlegungen aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zu einer Raumbühne hatten wesentlichen Einfluss auf Aspekte von Architektur, Ästhetik und Wirkungsweise der Einrichtung.

Der österreichische Architekt und Bühnenbildner Friedrich Kiesler entwickelte ab den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts elektromechanische Bühnenbilder, spiralförmige Raumbühnen, modulare Ausstellungssysteme und gilt mit seinen Designkonzepten als einer der großen Visionäre der Moderne im Umfeld des Bauhauses.

Friedrich Kieslers Ziel war es, mit seiner Raumbühne der klassischen Guckkastenbühne, die ihm eine starre „Kiste mit einem Vorhang als Deckel“ war, einen „elastischen“ Raum entgegen zu stellen, um die Bildbühne im Raum aufzulösen.

Aus der klassischen Addition von Wort, Mensch, Requisite, Licht und Kulisse sollte eine Integration dieser Bestandteile werden, die mit der Bewegung der Bühne und der Objekte und Subjekte multipliziert wird.

In der damaligen Zeit ging es dabei vor allem darum, die Theatermittel zu erweitern und die Bühnenkunst in die Moderne zu transformieren.

Inspiriert von Kieslers Raumbühne hat Matthias Merkle eine eigenständige Umsetzung des Kiesler-Modells für das ehemalige Wasserwerk der Anderen Welt Bühne entwickelt. 

– Nachhaltigkeit –

Situiert inmitten des ehemaligen Strausberger Stadtwalds ist für das Team des 2017 gegründeten Theaters die Frage nach ökologisch sinnvoller, ressourcenschonender und nachhaltiger Betriebsamkeit schon immer eine natürliche.

Dem üblichen Materialaufwand des Theaterbetriebs wird mit der Raumbühne entschlossen begegnet: Bühnenbilder entstehen maßgeblich mit der Auswahl der Drehung, der Nutzung der Ebenen, der Fokussierung von Möglichkeiten; Ausstattung bleibt Thema weit jenseits von Materialschlacht und Müllberg.

Mobiliar, mehrfach verwendbare Stoffe, Scheinwerfer und Requisiten komplettieren Bühnenbilder in den jeweiligen Belangen der einzelnen Produktionen.

– Raum, Bühne, Bühnenbild (und Ort) –

Nicht weil sie Raum ist (das ist sie natürlich), sondern weil sie Raum schafft und sichtbar, erlebbar macht, nennen wir sie Raumbühne.

Das ehemalige Wasserwerk auf dem Alten Postgelände in Strausberg ist ein eigenartiger und schöner Ort, die leere Industriehalle eine großartige Kulisse für die darstellende Kunst. 

Erst der Bühnenturm in seiner Höhe allerdings integriert die Halle in ihrer Kubatur, ihren baulichen Details und den Überbleibseln ihrer historischer Funktionalität tatsächlich in das Bild der Schauenden.

Weil sie sich dreht, hat sie eine Richtung.

Die Konzeption sortiert die Zuschauenden auf eine Seite der Bühne und damit die Blickrichtung als eine einzige, gebündelte, allerdings große, hohe.

Wir sitzen nicht beliebig da und dort, lassen nicht den Blick gedankenverloren an Wand und Decke wandern, sondern wir sehen, was uns gezeigt wird: alles. Im Zweifel dreht die Bühne das alles nochmal um für uns. 

Die drehende Raumbühne ist selbst und allein Objekt, Skulptur, Architektur, Installation. Sie ist nicht Ausstattung, sondern Inszenierung des Raums. 

Jenseits ihrer Funktionalität setzt die Bühne in ihrer ästhetischen Ausformulierung gestalterische Erfindungen eindrücklich um.

Matthias Merkle hat aus den Gegebenheiten des Geländes schöne Notwendigkeiten entwickelt. Seit 2013 erarbeitet er für das Alte Postgelände in Strausberg Konzepte und Umsetzungen, für die er im Bereich Waldpflege und Holzgestaltung vor allem Möbel, Einrichtungen und (innen-)architektonische sowie Bühnenbild-Lösungen designt, konstruiert und baut. Als vorläufigen Höhepunkt dieses Schaffens stellt Merkle jetzt seine drehende Raumbühne nach Motiven von Friedrich Kiesler vor.

All das fand und findet an einem Ort statt: Konzeption, Konstruktion, Umsetzung und Nutzung.

Das Holz für die Bühne, auch der Baum, aus dem die markanten, fragil-stabilen Stützen gebaut sind, stammt aus dem Wald, keine 400 Meter vom Theater entfernt.

Mit einem kleinen Team wurde vor Ort das Holz bearbeitet und die Bühne gebaut.

In die Halle eingepasst, zentimetergenau an den Gegebenheiten orientiert.

Diese Bühne steht, wo sie herkommt und hingehört. 

Der Wald in der Halle, die Halle ein Theater, das Theater im Wald.

Dem lustvollen Wagemut der jungen Theatergründung gesellt sich der Eigensinn des Bühnenbaus bei. Der Stil des Hauses ist geprägt – möge das Kunstwerk sich vielfach erweisen!

– Daten –

 unten: 600 cm

 oben: 650 cm

Höhe: 650 cm

Bühnenbreite über alles: 1200 cm

Bühnentiefe über alles: 1200 cm

Gewicht: ca. 2,5 t

Kiefernholz, Aluminium, Edelstahl