Produktionen

Spielzeit 2020

BLEIBEN WILL ICH; WO ICH NIE GEWESEN BIN

ein Abend für Thomas Brasch

24. Oktober 2020 – 19.30 Uhr

Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin – das ist die letzte Zeile eines der bekanntesten Gedichte von Thomas Brasch. Und es ist eine Schlüsselzeile für den Schriftsteller, Dramatiker und Filmemacher, von dem der Theatermann Claus Peymann sagte, sein Leben sei ein «wüster Roman» gewesen, «ein Roman über Ost und West».
Geboren im englischen Exil der jüdisch-kommunistischen Eltern, aufgewachsen und renitent geworden in der DDR, die er 1976 verließ, um auch in der BRD nie anzukommen, und erst recht nicht im vereinten Deutschland.

In seinen Gedichten, Theaterstücken und Filmen konfrontiert er scharfsinnig, kraftvoll und originell gesellschaftliche Widersprüche in einer Dringlichkeit, die aktueller ist denn je.

In ihrem Debütroman „Ab jetzt ist Ruhe“ erzählt Marion Brasch die Geschichte ihrer Familie. Jetzt rückt sie ihren großen Bruder Thomas in den Mittelpunkt. Wonach hat er sich gesehnt und woran gerieben? Was trieb ihn weg von seiner Familie und schließlich aus seinem Land?
In einer einer Collage aus Text, Szenen und Film hat sie diese Fragen zu einer Geschichte verwoben, die sie gemeinsam mit Andreas Keller vom Schauspiel Leipzig auf die Bühne bringt.

von und mit Marion Brasch, Andreas Keller

Gefördert im Rahmen von „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds e.V.

***

DUO ZIA feat. MOHAMAD FITYAN

Konzert
16. Oktober 2020 – 19.30 Uhr

Gefördert durch die Stiftung der Sparkasse Märkisch Oderland.

Schon lange ist klar, dass sich Orient und Okzident musikalisch verstehen, wenn Freigeister aus beiden Richtungen aufeinander zu gehen und gemeinsam etwas neues schaffen. Im Jazz wie in arabischer Kunstmusik spielen Improvisationen eine große Rolle – so natürlich auch bei diesen drei Musikern. In ihrer Musik verweben sie arabische Melodik, den warmen Klang der Nay, eine zwischen traditionellem Klang und modernem Jazz changierenden Orgel und vielfarbige Trompetenmodulationen. Mohamad Fityan integriert mit seinem emotionalem Spiel die Vierteltöne der arabischen Musik wie selbstverständlich in die gemeinsame Klangsprache.

Die Melodien der drei umtanzen einander, antworten, fragen und führen in einen gemeinsamen Dialog. Ihre Musik gibt einen Anstoß sich auf Ungewohntes einzulassen. Es geht ihnen darum, der Grenzenlosigkeit und Schönheit von Musik Ausdruck zu verleihen. Sie führt in eine Welt zwischen tiefempfundenen arabische Melodiebögen und zeitgenössischem Jazz und verzahnt sie zu einem untrennbaren Ganzen – verwegen und kraftvoll, sehnsüchtig und verträumt.

Von und mit Mohamad Fityan, Nay | Marcus Rust, Trompete | Christian Grosch, Orgel

Mohamad Fityan ist ein syrischer Musiker und Komponist, der besonders für seine Virtuosität auf Nay und Kawala bekannt ist. Er absolvierte sein Studium bei Mohamad Kassas und Berj Kassis am Higher Institute of Music in Damaskus und machte dort 2010 seinen Abschluss. Als Solist war Fityan in vielen Ländern auf der ganzen Welt unterwegs und trat mit verschiedenen internationalen Orchestern, wie dem Syrischen Nationalorchester, dem Syrischen Jazz Big Band Orchester, den Berliner Symphonikern, dem Fanfare du Loup Orchester, der Codarts & Royal Conservatory Big Band und dem Sarband Ensemble auf. Seine Musikkarriere führte ihn auf die Bühnen Europas, Asiens, Nordafrikas, des Mittleren Ostens und der Vereinigten Arabischen Emirate. Neben seiner Konzerttätigkeit wirkte Fityan auch an verschiedenen Film-Soundtracks als Musiker auf Nay und Kawala mit.

2014 floh er vor dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland Syrien und kam nach Strausberg, wo er seither lebt. Er arbeitet mit vielen deutschen Musikern zusammen; gründete im Jahr 2016 mit drei Deutschen seine eigene Band

„Fityan“ und veröffentlichte eine erste EP Oriental Space.

Neben seiner Arbeit als Komponist und Musiker ist Mohamad Fityan als Musiklehrer tätig. In Syrien lehrte er unter anderem am Solhi al-Wadi Institut für Musik und im Rahmen des
syrisch-niederländischen Projekts „Music in Me“, das von der UNRWA und den UNICEF SOS Kinderdörfern unterstützt wurde. In Deutschland unterrichtete er an der Orientalischen Sommerakademie und gründete 2018 eine eigene Online-Akademie für Nay und Kawala.

Mit seinem Auftritt in die Andere Welt Bühne findet erstmals ein Konzert Mohamad Fityans, zusammen mit dem Duo ZIA, in seiner neuen Wahlheimat Strausberg statt.

DSC02475-Exposure

DIE SUCHE NACH DEM GEGLÜCKTEN UNVERGESSEN

Teil 1 UNVERGESSEN

31. Juli 2020 – 19.30 Uhr PREMIERE 01. / 28. / 29. August 2020 – 19.30 Uhr 19. / 25. September 2020 – 19.30 Uhr

Die Projektreihe DIE SUCHE NACH DEM GEGLÜCKTEN UNVERGESSEN aktiviert Zeitzeug*innen, integriert Geflüchtete, Berichtende und Wissen-Wollende und formuliert mit den Mitteln der individuellen Recherche und des künstlerischen Ausdrucks ein „Unvergessen“ das mit Blick auf Gegenwart und Zukunft neue zwischenmenschliche, gesellschaftliche, politische Perspektiven eröffnet.

Der erste Teil UNVERGESSEN widmet sich dem Umgang mit Erinnerung. Drei Schauspieler*innen setzen sich auf der Bühne mit ihren eigenen – ganz persönlichen – Erinnerungen auseinander: an die Uroma im Widerstand, den Opa in Kriegsgefangenschaft, dem Nazi-Täter. Auf der Suche nach der wirklichen Geschichte unter dem familiären Schweigen, geht es um das Erinnern, darum, was an Erinnerung wach gehalten und was verschwiegen wird, was die Verwandten waren und taten. Und was macht das mit uns, den Enkel- und Urenkel*innen, heute? Erinnerungen müssen stets und immer lebendig gehalten werden, es geht um das Erzählen und Weitergeben, um ein Vergessen zu verhindern und darum, das Heute entsprechend zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Wir haben die Wahl!

Die aktuell ersichtlichen Bedrohungen der freiheitlichen Gesellschaft werden allerorten analysiert und diskutiert. Mit dieser dreiteiligen Produktion entsteht ein bedeutsamer Beitrag zur wichtigen Inszenierung von Recherchen im Dreischritt der historischen Markierungen „Katastrophe II. Weltkrieg“ – „Kalter Krieg“ – „Verfremdung der Verheerung“.

Mit Inés Burdow, Melanie Seeland, Thomas Hupfer Regie Paul Spittler Bühne Matthias Merkle Kostüme Antje Borchardt Gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und Landkreis Oder-Spree

die Andere Welt Bühne ist seit 2017 das Theater in Strausberg. Die Entwicklung der Spielstätte in der leeren Betonhalle des ehemaligen Wasserwerks einer alten Bunkeranlage mitten im Wald wird durch den Umgang mit dem Raum selbst als auch mit ihren Stückentwicklungen geprägt. Seit 2018 wird das Theater gemeinsam von Melanie Seeland und Inés Burdow geleitet und die Compagnie erweiterte sich um weitere Künstler*innen.

***

MATINÉE MARIO MAGONIO

Tagebuch einer Gefangenschaft (1944-1945) Lesung und Buchvorstellung

27. September 2020 – 11.30 Uhr

Kriegsende, 1945. In Buckow, einer Kleinstadt im märkischen Oderland, befinden sich zu diesem Zeitpunkt noch 20 000 Italiener*innen. Doch wer waren diese Menschen? Was mussten sie während ihrer Deportation und Zwangsarbeit erleiden? Mario Magonio ist einer von ihnen und schildert in täglichen Eintragungen Umstände und Erlebnisse zwischen Juni 1944 und Oktober 1945 in seinem „Diario di guerra“.

Bis heute gibt es kaum schriftliche Dokumentationen darüber, dass in Buckow während des 2.Weltkriegs italienische Zwangsarbeiter*innen untergebracht waren, die für die Demag / Alkett in Falkensee bei Berlin schuften mussten. Die bekannten lokalen Erzählungen aus dieser Zeit beziehen sich auf die Entbehrungen der evakuierten Ortsbewohner*innen und stellen das eigene Leid in den Vordergrund. Mit den Tagebuchaufzeichnungen von Magonio wird dieses Narrativ vervollständigt; den Kriegserlebnissen der deutschen Bewohner*innen werden die Entbehrungen der Deportierten hinzugefügt.

Mario Magonio beschreibt in seinen Eintragungen die Deportation aus Genua in die Zwangsarbeit nach Deutschland und die schwierige Rückkehr nach Hause. Er nutze jeden kleinsten Zettel, den er fand, für seine Notizen und übertrug später alles chronologisch in Hefte. Diese Aufzeichnungen wurden fast sechzig Jahre später zufällig von seinem Sohn, Alberto Magonio, im Haus des Vaters gefunden und unter dem Titel „Diario di Guerra“ der Öffentlichkeit im Internet zur Verfügung gestellt. Die deutsche Übersetzung des Tagesbuchs hat er mit Informationen und Bildmaterial großzügig unterstützt. Mit seinen anschaulich geschriebenen, alltäglichen Eintragungen ergänzt Mario Magonio nun die Recherchen und die lokale Geschichtserzählung um eine bedeutende Perspektive.

Gelesen von Inés Burdow, Melanie Seeland
anschließend Gespräch und Buchvorstellung Aino Stratemann

Mario Magonio: „Diario di guerra“, herausgegeben von Alberto Magonio
Übersetzung, Recherche Consuelo Moschino, Aino Stratemann Herausgeber*in KulTuS e. V. Buckow (märkische Schweiz) Historisches Lektorat Gudrun Schroeter Lektorat Haidy Damm Gestaltung Dirk Braunheim Druck Oktoberdruck GmbH, Berlin Gefördert durch die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung.

***

DSC01811-Exposure

„räuber*innen“ – eine Gegenüberstellung aus Protest

Frauenchor: „Oder hat er mich gedacht, wie er mich machte? Oder hat er mich gewünscht, da er mich machte? Wußte er, was ich werden würde? […] Kann ich’s ihm Dank wissen, daß ich ein Mann wurde? So wenig, als ich ihn verklagen könnte, wenn er ein Weib aus mir gemacht hätte.“

Das Projekt „räuber*innen“ ist eine Gegenüberstellung zu dem Werk „Die Räuber“ von Friedrich Schiller in Form einer Stückentwicklung aus einer weiblichen und aktuellen gesellschaftspolitischen Perspektive. Alte Rollenbilder und Klischees werden dabei hinterfragt und demontiert.

Auf der Bühne gibt es fünf Schauspielerinnen, die keinen Text lernen, das Stück „die Räuber“ von Friedrich Schiller nicht spielen – aus Protest. Sie stehen in einer Reihe dem Publikum gegenüber, wie bei einer polizeilichen Gegenüberstellung – Unromantische Hackerinnen, die sich im Darknet tummeln, Heldinnen der Gegenwart, die nicht durch den Wald ziehen, sondern auf Instagram zu finden sind und für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung kämpfen. Wir hacken die Räuber, entwerfen eine weibliche Gegenperspektive. Die Schauspielerinnen führen einen Diskurs über Schillers Räuber. Themen werden in die Gegenwart verlegt und globalisiert. Es geht um das Frauenbild bei Schiller, um die Dürre im Wald, den Borkenkäfer, die Brasilianischen Regenwälder, die den Sojaplantagen weichen müssen für unser Tierfutter, um alte muffelige Manager, ihre Gehälter und Abfindungen. Es geht um Protestformen zwischen Gelbwesten, Femen, Fridays for Futur und der Influencerszene. Originaltextfetzen von Schiller erklingen im Chor und machen die Dissonanz zwischen weiblicher und männlicher Perspektive deutlich. Das Werk von Friedrich Schiller wird konstruktiv veruntreut.
Wir bleiben dabei Werktreu im Wald! In dem unser Theater liegt! In dem wir den Protest entfachen! In dem unsere heutigen räuber*innen spielen!
Wir holen den brandenburgischen Wald auf die Bühne, wir bauen die Bühne aus dem Holz des Waldes. Der Wald wird per Video auf die Bühne übertragen. Im Video entsteht das Klischee der Räuber: Schauspielerinnen als grölende Männer-Räuberbande.

Mit Elena Nyffeler, Lisa Hofer, Anna Eger, Melanie Seeland, Inés Burdow

Regie Jens Bluhm Kostüm Sophie Leypold Musik Matthias Waldthaler Ton Jonas Albani Licht Paul Klinder Produktion Wolfram Scheller

Gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg

***

Gastspiel flunker produktionen:

ZEIT, DU CALLBOY DER EWIGKEIT

Straßentheaterinszenierung über Zeit, Mythos und Vergänglichkeit Ein Spiel mit Masken, Schriften und Puppen

Wie kam die Zeit in die Welt? Woher der Stress? Wann und warum der Tod? Was, wenn wir die Zeit anhalten könnten? Oder die Zeitmessung abschaffen? Und wer, bitteschön, ist die Ewigkeit? Um einen vorsintflutlichen Sonnenwagen herum inszenieren sich zwei ungreifbare Wesen – ein Maki und eine Schildkröte – in einem Mythos um die Erschaffung von Zeit und Tod. Sind sie Tiere, Halbgötter, Botschafter einer vergangenen Welt? Mal grotesk und gewaltig, mal zart und liebevoll schauen sie auf das Treiben der Menschen und beleuchten den Ursprung der Taktungen des Lebens auf ihre Weise. Die Menschen selbst rücken auch ins Bild: Das Innere des Wagens wird zu einer Bühne, in der mit Kaukauzki-Puppen die Vertreibung aus dem Paradies und deren Auswirkung in einer absurden Bilderfolge weiterphantasiert wird. Und immer ist es ein Spiel mit und gegen die Erwartungen, in das die Zuschauer von den beiden zwielichten Protagonisten geführt werden: Es streift barockes Mysterienspiel, japanisches Maskentheater und grellen Slapstick, und wird mittels einer gesprächigen LED-Laufschrift wild kommentiert. Die sehr präsente Musik spannt dazu einen Bogen von traditioneller Zeremonie über Industrial Sound hin zu Tango und Minimal Music. Aber ist alles nur eine Farce oder folgt die Inszenierung tatsächlich einer wüsten Absicht? – Ein Anschlag auf alle Sinne.

Spiel: Claudia Engel und Matthias Ludwig   Regie: Hendrik Mannes Musik: Kay Skerra   Ausstattung, Puppen und Kostüme: Claudia Engel     Bühnenbau / Metallbau: Heiko Lehmann

Produktion: flunker produktionen mit Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und dem Kulturamt des Landkreises Teltow-Fläming

Dauer : ca. 40 Minuten
Zuschauer: für Erwachsene, Familienpublikum, auch Kinder können unbeschadet schauen

Open Air Inszenierung für Plätze, Feste und Events