Produktionen

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ROBOSAPIENS
nach R.U.R von Karel Čapek (1920) 

Premiere: 12.6.2021, 19.30 Uhr

Was unterscheidet Mensch von Maschine. Gibt es einen Zustand, in dem sie nicht mehr voneinander differenzierbar sind? In dem Maschinen Ethik eingeräumt werden muss, weil sie autonom denken, entscheiden und gar empfinden können?

Der Stückentwicklung ROBOSAPIENS der Anderen Welt Bühne liegt der Theatertext R.U.R. des tschechischen Autors Karel Čapeks aus dem Jahr 1920 zugrunde, in dem erstmals der Begriff Roboter synonymisch für den Maschinenmenschen auftaucht. Hier werden in einer Fabrik künstliche Menschen produziert, damit die Menschheit weniger respektive in naher Zukunft überhaupt nicht mehr arbeiten muss. Die Ingenieure des Unternehmens Rossum’s Universal Robots erachten das Phantasma des Homō faber als obsolet. Die neu erworbene Freizeit verspricht mehr Muße für Genuss und die schönen Dinge des Lebens; die gesteigerte Nachfrage und Massenproduktion erbringen den notwendigen Profit. Doch ein Konstruktionsfehler führt zu fatalen Konsequenzen. Die schöne neue Welt beginnt zu schwanken. 

Vier SchauspielerInnen arbeiten sich auf der Bühne durch den Čapek’schen Stoff, welcher mit eigenen sowie Texten aus Popkultur und Wissenschaft collagiert wird. Sie untersuchen die Komplexität und Ambivalenzen einer zunehmend technologisierten Lebensrealität. Ein Prozess, der nicht zuletzt im Zuge der Pandemie unseren Alltag signifikant prägt und in der Zukunft sukzessive dominieren wird. Welchen Stellenwert haben der (analoge) Mensch und das (analoge) Theater hier noch? Wie elevant ist im digitalen Szenario der eine wie das andere?
Dystopie versus Utopie. Seele versus Algorithmus. Unsinn versus Effizienz.
Riskieren wir auch einen Blick dazwischen.


Es spielen: Cynthia Buchheim, Ines Burdow, Chris Eckert und Melanie Seeland Regie: Jens Bluhm | Bühnenfassung: Jens Bluhm und Juliane Logsch | Bühne: Matthias Merkle | Kostüm: Nadine Baske | Musik: Matthias Waldthaler | Dramaturgie: Juliane Logsch | Licht: Paul Klinder | Ton: Jonas Albani

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Uraufführung
»Adam und die Deutschen (Die Mühle)«
Ein Traumspiel von Tine Rahel Völcker

Premiere: 30.7.2021, 19.30 Uhr

TEREZA: Meine Wohnung ist meine Erinnerung.
ADAM: Tak. Und ich darf darin hausen bis ich schlecht werde.

Tereza wohnt mit ihrem erwachsenen Sohn Adam in einer Wohnung in der polnischen Stadt Z. nahe der deutschen Grenze. Hier erholen sich deutsche Kurgäste, während die polnische Jüdin Tereza, deren Familie Flucht und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg durch die Nationalsozialist*innen erfuhr, ruhelos im Gedankenhaus ihrer Erinnerungen wandelt. Adam liest in den hiesigen Kneipen betrunkene deutsche Tourist*innen auf – zunächst Henriette und später Rudi. Adam nimmt sie unter den wachen Augen seiner, der Deutschen müden Mutter zu sich nach Hause; teilt Bett und Bigos mit ihnen. Doch sowohl Henriette als auch Rudi haben eine Mission: Sie will die Rolle ihres Vaters im Zweiten Weltkrieg recherchieren und er Geflüchteten an der ungarischen Grenze helfen. Adam ist lediglich ein Zwischenstopp; doch dieser will und fordert mehr.
»Adam und die Deutschen (Die Mühle)« von Tine Rahel Völcker ist eine Auseinandersetzung mit der deutsch-polnischen Vergangenheit und Gegenwart. Angesichts der geografischen Lage Strausbergs ein höchst spannender Stoff für die Andere Welt Bühne, die Völckers Stück uraufführt. Ihr Text hinterfragt die Konzepte nationaler wie gesellschaftlicher Identitätskonstruktionen und stellt die Auflösung ebenjener tradierten Grenzen zur Disposition. Er porträtiert Figuren verschiedenster Generationen, die sich wie Mühlräder um sich selbst drehen. Unfähig voranzukommen und auszubrechen, verhaften sie verkatert im rauschhaften Zustand des Traumes, in der eigenen Biographie.
»Tine Rahel Völcker ist Autorin von Theaterstücken, Hörspielen und Prosa. Ihre Arbeiten thematisieren häufig die Folgen der nationalsozialistischen Verbrechen und suchen Wege über Gewalt zu sprechen, ohne sie zu reproduzieren. Sie arbeitet gern kollaborativ und ist in queerfeministischen Projekten tätig. Theaterstücke von ihr wurden u.a. am Wiener Schauspielhaus (Die Eisvögel), in Weimar (Die Höhle vor der Stadt in einem Land mit Nazis und Bäumen), am Maxim Gorki Theater Berlin (Madame Bovary), am Düsseldorfer Schauspielhaus (Kein Science Fiction und Eine Orestie) und zuletzt, in eigener Regie, am Berliner Ballhaus Ost (Frauen der Unterwelt) aufgeführt. 2020 erschien ihr Prosadebüt Chantal Akermans Verschwinden. Les Rendez-vous de Tarnów.« (ruakooperative.de)

Mit: Inés Burdow, Chris Eckert, Thomas Schimanski und Melanie Seeland | Inszenierung: Paul Spittler | Bühne: Matthias Merkle | Kostüme: Sophie Leypold | Musik & Sounddesign: Jonas Albani | Dramaturgie: Juliane Logsch | Licht: Paul Klinder

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Lesung
Uwe Preuß – Katzensprung

Sonntag, 11. Juli 2021, um 11.30 Uhr

In Dresden geboren, 1961. Opa ein urkundlich bescheinigter Hallodri. Oma macht aus jedem Einkauf einen Ausflug. Mit den Eltern für fünf Jahre nach São Paulo. Die hatten ihr eigenes System, danke. Kaufmännische Lehre in der Planwirtschaft: Ick stempel doch jetzt nicht die fünftausend scheiß Scheine! Lieber Gräber schaufeln in Löbtau. Arbeitsplatz ohne besondere Vorkenntnisse. Hauptsache kein Büro mehr. Im Kurort die erste eigene Wohnung. Katrin ist schon am Theater, absolut erstrebenswerte Arbeitszeiten. Aber die lassen mich ohne abgeleisteten Wehrdienst nicht an die Schauspielschule! Für ein langes Wochenende interniert von der Volkspolizei. Einfach so. Also Weihnachten ʼ84 in Prag in die deutsche Botschaft. Ausreise. Aber zum Karneval und für die Liebe wieder rein. Und schnell wieder raus. Später Akteneinsicht. Glück gehabt.

Als Sohn eines Projektingenieurs und einer Technischen Zeichnerin wächst Uwe Preuss (1961) in der DDR und Brasilien auf. Diverse Anläufe bei der Berufswahl: als Industriekaufmann im Laborbau oder >Heizer in einem Ferienheim der Inneren Mission. Er war Kantinenleiter bei der Bauarbeiterversorgung, Lagerist in einer Stahlgießerei, Kistenbauer in einem Dampfsägewerk und Finanzbuchhalter – vor seiner Ausreise nach Westberlin. Dort studiert er Schauspiel an der Hochschule der Künste. Sein erstes Theaterengagement 1992 in Dresden. 1995 Wechsel ans Berliner Ensemble. Seit 2005 freischaffend. Gastauftritte an der Schaubühne, am Gorki-Theater und der Volksbühne Berlin. Seit zehn Jahren eher vertraut mit der Arbeit vor der Filmkamera („Polizeiruf Rostock“, „Deutschland 83“ u.v.a.m.)

Literatur statt Polizeiruf: Der Schauspieler Uwe Preuss hat sein erstes Buch geschrieben: „Katzensprung“ – es lohnt die Lektüre. (Hamburger Abendblatt)

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