Heiße Kufen, Kalter Krieg

Fotos: Marc Bluhm

HEIßE KUFEN, KALTER KRIEG
Ein Diskursschwank von Matthias Merkle – Uraufführung

ANNA – MARIA: Aber was soll denn am Himmel auf Erden so schlecht sein?

LUCJAN: Das Problem ist ja, dass wir nicht wissen können, wie der Himmel auf Erden aussieht. Und sobald es jemand glaubt zu wissen, wird es die Hölle für die anderen.

Die ehemaligen Olympia- Rennrodlerinnen Ortrun Enderlein und Anna-Maria Müller hängen fest. Sie hängen fest in ihrer gemeinsamen Wohnung, voll gepackt mit Erinnerungen an ihre Zeit als erfolgreichste Rennrodlerinnen der DDR – und auf ihrem Skandal. Wurden Sie doch bei den Olympischen Spielen 1968 in Grenoble bitterlich um ihren Sieg betrogen, als der polnische Funktionär Lucjan Swiderski am Start die Kufen prüfte und heiße Kufen attestierte, was die beiden Rodlerinnen disqualifizierte. Ein inszenierter Betrug, niemals offiziell revidiert. Jahre später sind die Rodlerinnen noch immer hinter Swiderski her. Auf der Suche nach Genugtuung entspinnt sich eine rasante Komödie, durch die Vergangenheit in die Zukunft blickend. Ein Diskursschwank über den Kalten Krieg, Spione in Ost und West und die drängenden Fragen der Gegenwart.
Aus der Feder von Matthias Merkle (Pikeslust, Das Ziel ist im Weg, Wie wenn nicht warum?) geht es gewohnt lustig und relevant zur Sache.

Die Produktion ist Teil 2 der Projektreihe DIE SUCHE NACH DEM GEGLÜCKTEN UNVERGESSEN, die mit Blick auf Gegenwart und Zukunft neue zwischenmenschliche, gesellschaftliche, politische Perspektiven eröffnet. Teil 1, UNVERGESSEN, feierte 2020 Premiere in die Andere Welt Bühne.

Es spielen Cynthia Buchheim, Ines Burdow, Melanie Seeland Inszenierung Paul Spittler Ausstattung & Kostüme Nadine Baske Musik, Sound & Video Jonas Albani Licht Paul Klinder Dramaturgische Beratung Antje Borchardt

„Die Aufarbeitung der Geschichte, die die beiden Frauen auf die Spur des polnischen Olympiafunktionärs Lucjan Swiderski führt, lockt bei den Zuschauern nicht nur ein Lächeln hervor, sondern sogar herzhaftes Lachen. Und das dank der originellen Inszenierung. Die spektakuläre drehbare Bühne eröffnet immer neue Möglichkeiten, aber vor allem die glänzenden schauspielerischen Leistungen von Cynthia Buchheim, Ines Burdow und Melanie Seeland tragen zur Kurzweil bei.“ Irina Voigt, MOZ

„…und hier kommt Matthias Merkle und pfeffert den Zuschauern spannende Recherchen zum Thema, grotesk und gekonnt im weihnachtlichen Glamour, um die Ohren. Von Hegel bis Popper, von fast-Rodelweltmeisterinnen, Affären, Bespitzelung, Agent*innen, Weihnachtsfeiern, bis zur hedonistischen Linken, die den Kapitalismus so stützt, alles bekommt frech sein Fett weg, inklusive der sich durchs Stück kämpfenden Schauspielerinnen. […] Die Besetzung mit Cynthia Buchheim, Ines Burdow, Melanie Seeland kann schöner nicht sein […]. Die Profischauspielerinnen genießen sichtlich die steile Rodelbahnvorlage und sicherlich gehört ein Dank an ihre wunderbare Wandelbarkeit, denn zum Thema Geschlechterstereotype, dazu sagt Strausberg an diesem Weihnachten deutlich: Ade.“ Heike Brunner, Der Freitag