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VERGANGENES:

WER WIR WAREN von ROGER WILLEMSEN – Lesung

Sonntag, 6. Juni 2021, um 11.30 Uhr

„Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.“ (Roger Willemsen)

Eine Rede zur Gegenwart und zur Zukunft, über die Verantwortung jedes Einzelnen für sich selbst und für die Gemeinschaft.

Roger Willemsens letztes Buch sollte „Wer wir waren“ heißen. Es sollte die Versäumnisse der Gegenwart aus der Perspektive derjenigen erzählen, die nach uns leben werden. Dieses Buch werden wir nie lesen können. Umso stärker wirkt die letzte öffentliche Rede Roger Willemsens nach. Sie ist nicht nur das melancholische Resümee und die scharfe Analyse eines außergewöhnlichen Zeitgenossen, sondern zugleich das leidenschaftliche Plädoyer für eine „Abspaltung aus der Rasanz der Zeit“. Sie ist ein Aufruf an die nächste Generation, sich nicht einverstanden zu erklären. Roger Willemsen hat diese Rede am 24. Juli 2015 gehalten. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt.

Roger Willemsen, geboren 1955 in Bonn, gestorben 2016 in Wentorf bei Hamburg, arbeitete zunächst als Dozent, Übersetzer und Korrespondent aus London, ab 1991 auch als Moderator, Regisseur und Produzent fürs Fernsehen. Wichtige Veröffentlichungen: Die Enden der Welt, Der Knacks, Momentum und Das Hohe Haus.

Gelesen von Ines Burdow, Melanie Seeland

flunker.produktionen zeigen: STADT.LAND.KUH

Sonntag, 13. Juni, um 15.00 Uhr

Ein Stück Theater unter freiem Himmel für Städter und Bauern und vor allem deren Kinder augenzwinkernd frei nach dem Motto: „zurück zur Natur“.

Wenn alle so zurück zur Natur schlendern wollten, wie die Miss in diesem Stück, dann sollte die Natur lieber schnell in die Stadt emigrieren. Hoffnungen, Sehnsüchte und Klischees von der Landidylle vor Augen, begibt sie sich mit ihrem Schminkköfferchen auf eine Reise ins 2Abseits der Zivilisation“. Dass es da aber auch Menschen, Tiere und Sensationen gibt und zwar ganz handfeste, das hätte sie sich so nicht träumen lassen. Alle Zeichen stehen schon wieder auf Abfahrt, wäre da nicht die schöne Kuh mit den großen Augen und der lila Zunge. Und auch der dazugehörige Bauer ist eigentlich nicht ohne, wenn er nicht…

flunker.produktionen verarbeiten in diesem Stück die Freuden und Erlebnisse von acht Jahren Landleben in der brandenburgischen Pampa, humorvoll, gestenreich und mit viel spielerischer Übertreibung.

Von und mit Claudia Engel und Matthias Ludwig Mehr Informationen http://www.flunkerproduktionen.de

Marion Brasch liest aus:
Ab jetzt ist Ruhe
Roman meiner fabelhaften Familie
Sonntag, 20. Juni 2021, um 11. 30 Uhr

Marion Braschs unwiderstehlicher Roman erzählt die Geschichte ihrer außergewöhnlichen Familie im Spannungsfeld zwischen Ost und West. Der Vater war stellvertretender Kulturminister der DDR, die Brüder, darunter Thomas Brasch, wurden als Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler bekannt.
Mit überraschender Leichtigkeit erzählt die »kleine Schwester« die dramatischen Ereignisse in ihrer Familie – Erfolg, Revolte, Verlust der drei Brüder – und folgt ihrem Weg durch Abenteuer und Wirren in die eigene Freiheit. Selten wurde eine Familiengeschichte so persönlich und bewegend erzählt wie in diesem Roman.

Wolfgang Kohlhaase zum 90. Geburtstag
Erfindung einer Sprache
Mit Bastienne Voss, Ines Burdow und Wolfgang Kohlhaase

Sonntag, 27. Juni 2021, um 11.30 Uhr

Der bekannte Drehbuchautor, Schriftsteller und Regisseur Wolfgang Kohlhaase gilt als „einer der wichtigsten Drehbuchautoren der deutschen Filmgeschichte“ schrieb „Der Spiegel“ schon 2009.
Regisseure und Filmkenner setzen seine genaue Beobachtungsgabe und seinen Sprachwitz mit dem Können von Erich Kästner und Billy Wilder gleich. Filme wie Solo Sunny, Sommer vorm Balkon, Die Stille nach dem Schuss, In Zeiten des abnehmenden Lichts und noch viele mehr, sind allgemein bekannt, doch das Wolfgang Kohlhaase auch ganz ausgezeichnete Prosa schreibt, wissen die wenigsten. Deshalb haben sich die Schauspielerinnen Bastienne Voss und Ines Burdow, beide seit Jahren regelmäßige Gäste im Theater am Rand, Kohlhaases Prosa vorgenommen. In Absprache mit Wolfgang Kohlhaase haben sie eine Lesung erarbeitet, um diese wunderbaren Geschichten einem breiteren Publikum bekannt zu machen und natürlich als ein Geburtstagsgeschenk an den großen Autor.
Der 2020 erschienene Kinofilm Persischstunden mit Lars Eidinger und Nahuel Pérez Biscayart in den Hauptrollen, beruht auf einer dieser Geschichten – „Erfindung einer Sprache“, die die Schauspielerinnen hier vorstellen werden.

Die Erzählungen stammen aus dem Erzählband Silvester mit Bazac*, über den Gustav Seibt von der Süddeutschen Zeitung schreibt: „Silvester mit Balzac ist schlicht ein Meisterwerk – dass sein Witz, seine melancholische Brillanz, seine novellistische Durchschlagskraft ihren Verfasser nicht auf Dauer zu einem berühmten Schriftsteller machten, läßt sich wirklich nur damit erklären, dass es für ihn eine Nebenarbeit bedeutete, und damit, dass Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen heute von der Kritik so achtlos behandelt werden – als seien nicht gerade in diesem Genre einige Kronjuwelen der deutschen Literatur zu finden.“

Wolfgang Kohlhaase wird im zweiten Teil der Veranstaltung mit Ines Burdow und Bastienne Voss ins Gespräch kommen und Fragen aus dem Publikum beantworten.

*Zum Jubiläum wird dieser Band gleich von zwei Verlagen wiederaufgelegt. Moloko Print mit Zeichnungen von Frank Diersch und bei Wagenbach.

Bastienne Voss ist Schauspielerin (u. a. Die Distel), Sprecherin und Schriftstellerin (u. a. Drei Irre unterm Flachdach. )

Ines Burdow ist Schauspielerin (u.a. Berliner Ensemble, Sprecherin und Autorin (u.a. Freie Feature-Autorin für die Kultursender der ARD-Anstalten Die Unvollendete – Die Schriftstellerin Brigitte Reimann)

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Spielzeit 2020

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DIE SUCHE NACH DEM GEGLÜCKTEN UNVERGESSEN

Teil 1 UNVERGESSEN

31. Juli 2020 – 19.30 Uhr PREMIERE 01. / 28. / 29. August 2020 – 19.30 Uhr 19. / 25. September 2020 – 19.30 Uhr

Die Projektreihe DIE SUCHE NACH DEM GEGLÜCKTEN UNVERGESSEN aktiviert Zeitzeug*innen, integriert Geflüchtete, Berichtende und Wissen-Wollende und formuliert mit den Mitteln der individuellen Recherche und des künstlerischen Ausdrucks ein „Unvergessen“ das mit Blick auf Gegenwart und Zukunft neue zwischenmenschliche, gesellschaftliche, politische Perspektiven eröffnet.

Der erste Teil UNVERGESSEN widmet sich dem Umgang mit Erinnerung. Drei Schauspieler*innen setzen sich auf der Bühne mit ihren eigenen – ganz persönlichen – Erinnerungen auseinander: an die Uroma im Widerstand, den Opa in Kriegsgefangenschaft, dem Nazi-Täter. Auf der Suche nach der wirklichen Geschichte unter dem familiären Schweigen, geht es um das Erinnern, darum, was an Erinnerung wach gehalten und was verschwiegen wird, was die Verwandten waren und taten. Und was macht das mit uns, den Enkel- und Urenkel*innen, heute? Erinnerungen müssen stets und immer lebendig gehalten werden, es geht um das Erzählen und Weitergeben, um ein Vergessen zu verhindern und darum, das Heute entsprechend zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Wir haben die Wahl!

Die aktuell ersichtlichen Bedrohungen der freiheitlichen Gesellschaft werden allerorten analysiert und diskutiert. Mit dieser dreiteiligen Produktion entsteht ein bedeutsamer Beitrag zur wichtigen Inszenierung von Recherchen im Dreischritt der historischen Markierungen „Katastrophe II. Weltkrieg“ – „Kalter Krieg“ – „Verfremdung der Verheerung“.

Mit Inés Burdow, Melanie Seeland, Thomas Hupfer Regie Paul Spittler Bühne Matthias Merkle Kostüme Antje Borchardt Gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und Landkreis Oder-Spree

die Andere Welt Bühne ist seit 2017 das Theater in Strausberg. Die Entwicklung der Spielstätte in der leeren Betonhalle des ehemaligen Wasserwerks einer alten Bunkeranlage mitten im Wald wird durch den Umgang mit dem Raum selbst als auch mit ihren Stückentwicklungen geprägt. Seit 2018 wird das Theater gemeinsam von Melanie Seeland und Inés Burdow geleitet und die Compagnie erweiterte sich um weitere Künstler*innen.

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„räuber*innen“ – eine Gegenüberstellung aus Protest

Frauenchor: „Oder hat er mich gedacht, wie er mich machte? Oder hat er mich gewünscht, da er mich machte? Wußte er, was ich werden würde? […] Kann ich’s ihm Dank wissen, daß ich ein Mann wurde? So wenig, als ich ihn verklagen könnte, wenn er ein Weib aus mir gemacht hätte.“

Das Projekt „räuber*innen“ ist eine Gegenüberstellung zu dem Werk „Die Räuber“ von Friedrich Schiller in Form einer Stückentwicklung aus einer weiblichen und aktuellen gesellschaftspolitischen Perspektive. Alte Rollenbilder und Klischees werden dabei hinterfragt und demontiert.

Auf der Bühne gibt es fünf Schauspielerinnen, die keinen Text lernen, das Stück „die Räuber“ von Friedrich Schiller nicht spielen – aus Protest. Sie stehen in einer Reihe dem Publikum gegenüber, wie bei einer polizeilichen Gegenüberstellung – Unromantische Hackerinnen, die sich im Darknet tummeln, Heldinnen der Gegenwart, die nicht durch den Wald ziehen, sondern auf Instagram zu finden sind und für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung kämpfen. Wir hacken die Räuber, entwerfen eine weibliche Gegenperspektive. Die Schauspielerinnen führen einen Diskurs über Schillers Räuber. Themen werden in die Gegenwart verlegt und globalisiert. Es geht um das Frauenbild bei Schiller, um die Dürre im Wald, den Borkenkäfer, die Brasilianischen Regenwälder, die den Sojaplantagen weichen müssen für unser Tierfutter, um alte muffelige Manager, ihre Gehälter und Abfindungen. Es geht um Protestformen zwischen Gelbwesten, Femen, Fridays for Futur und der Influencerszene. Originaltextfetzen von Schiller erklingen im Chor und machen die Dissonanz zwischen weiblicher und männlicher Perspektive deutlich. Das Werk von Friedrich Schiller wird konstruktiv veruntreut.
Wir bleiben dabei Werktreu im Wald! In dem unser Theater liegt! In dem wir den Protest entfachen! In dem unsere heutigen räuber*innen spielen!
Wir holen den brandenburgischen Wald auf die Bühne, wir bauen die Bühne aus dem Holz des Waldes. Der Wald wird per Video auf die Bühne übertragen. Im Video entsteht das Klischee der Räuber: Schauspielerinnen als grölende Männer-Räuberbande.

Mit Elena Nyffeler, Lisa Hofer, Anna Eger, Melanie Seeland, Inés Burdow

Regie Jens Bluhm Kostüm Sophie Leypold Musik Matthias Waldthaler Ton Jonas Albani Licht Paul Klinder Produktion Wolfram Scheller

Gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg

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MATINÉE MARIO MAGONIO

Tagebuch einer Gefangenschaft (1944-1945) Lesung und Buchvorstellung

27. September 2020 – 11.30 Uhr

Kriegsende, 1945. In Buckow, einer Kleinstadt im märkischen Oderland, befinden sich zu diesem Zeitpunkt noch 20 000 Italiener*innen. Doch wer waren diese Menschen? Was mussten sie während ihrer Deportation und Zwangsarbeit erleiden? Mario Magonio ist einer von ihnen und schildert in täglichen Eintragungen Umstände und Erlebnisse zwischen Juni 1944 und Oktober 1945 in seinem „Diario di guerra“.

Bis heute gibt es kaum schriftliche Dokumentationen darüber, dass in Buckow während des 2.Weltkriegs italienische Zwangsarbeiter*innen untergebracht waren, die für die Demag / Alkett in Falkensee bei Berlin schuften mussten. Die bekannten lokalen Erzählungen aus dieser Zeit beziehen sich auf die Entbehrungen der evakuierten Ortsbewohner*innen und stellen das eigene Leid in den Vordergrund. Mit den Tagebuchaufzeichnungen von Magonio wird dieses Narrativ vervollständigt; den Kriegserlebnissen der deutschen Bewohner*innen werden die Entbehrungen der Deportierten hinzugefügt.

Mario Magonio beschreibt in seinen Eintragungen die Deportation aus Genua in die Zwangsarbeit nach Deutschland und die schwierige Rückkehr nach Hause. Er nutze jeden kleinsten Zettel, den er fand, für seine Notizen und übertrug später alles chronologisch in Hefte. Diese Aufzeichnungen wurden fast sechzig Jahre später zufällig von seinem Sohn, Alberto Magonio, im Haus des Vaters gefunden und unter dem Titel „Diario di Guerra“ der Öffentlichkeit im Internet zur Verfügung gestellt. Die deutsche Übersetzung des Tagesbuchs hat er mit Informationen und Bildmaterial großzügig unterstützt. Mit seinen anschaulich geschriebenen, alltäglichen Eintragungen ergänzt Mario Magonio nun die Recherchen und die lokale Geschichtserzählung um eine bedeutende Perspektive.

Gelesen von Inés Burdow, Melanie Seeland
anschließend Gespräch und Buchvorstellung Aino Stratemann

Mario Magonio: „Diario di guerra“, herausgegeben von Alberto Magonio
Übersetzung, Recherche Consuelo Moschino, Aino Stratemann Herausgeber*in KulTuS e. V. Buckow (märkische Schweiz) Historisches Lektorat Gudrun Schroeter Lektorat Haidy Damm Gestaltung Dirk Braunheim Druck Oktoberdruck GmbH, Berlin Gefördert durch die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung.

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Gastspiele:

BLEIBEN WILL ICH; WO ICH NIE GEWESEN BIN

ein Abend für Thomas Brasch

24. Oktober 2020 – 19.30 Uhr

Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin – das ist die letzte Zeile eines der bekanntesten Gedichte von Thomas Brasch. Und es ist eine Schlüsselzeile für den Schriftsteller, Dramatiker und Filmemacher, von dem der Theatermann Claus Peymann sagte, sein Leben sei ein «wüster Roman» gewesen, «ein Roman über Ost und West».
Geboren im englischen Exil der jüdisch-kommunistischen Eltern, aufgewachsen und renitent geworden in der DDR, die er 1976 verließ, um auch in der BRD nie anzukommen, und erst recht nicht im vereinten Deutschland.

In seinen Gedichten, Theaterstücken und Filmen konfrontiert er scharfsinnig, kraftvoll und originell gesellschaftliche Widersprüche in einer Dringlichkeit, die aktueller ist denn je.

In ihrem Debütroman „Ab jetzt ist Ruhe“ erzählt Marion Brasch die Geschichte ihrer Familie. Jetzt rückt sie ihren großen Bruder Thomas in den Mittelpunkt. Wonach hat er sich gesehnt und woran gerieben? Was trieb ihn weg von seiner Familie und schließlich aus seinem Land?
In einer einer Collage aus Text, Szenen und Film hat sie diese Fragen zu einer Geschichte verwoben, die sie gemeinsam mit Andreas Keller vom Schauspiel Leipzig auf die Bühne bringt.

von und mit Marion Brasch, Andreas Keller

Gefördert im Rahmen von „Neustart Kultur“ der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien durch den Deutschen Literaturfonds e.V.

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DUO ZIA feat. MOHAMAD FITYAN

Konzert
16. Oktober 2020 – 19.30 Uhr

Gefördert durch die Stiftung der Sparkasse Märkisch Oderland.

Schon lange ist klar, dass sich Orient und Okzident musikalisch verstehen, wenn Freigeister aus beiden Richtungen aufeinander zu gehen und gemeinsam etwas neues schaffen. Im Jazz wie in arabischer Kunstmusik spielen Improvisationen eine große Rolle – so natürlich auch bei diesen drei Musikern. In ihrer Musik verweben sie arabische Melodik, den warmen Klang der Nay, eine zwischen traditionellem Klang und modernem Jazz changierenden Orgel und vielfarbige Trompetenmodulationen. Mohamad Fityan integriert mit seinem emotionalem Spiel die Vierteltöne der arabischen Musik wie selbstverständlich in die gemeinsame Klangsprache.

Die Melodien der drei umtanzen einander, antworten, fragen und führen in einen gemeinsamen Dialog. Ihre Musik gibt einen Anstoß sich auf Ungewohntes einzulassen. Es geht ihnen darum, der Grenzenlosigkeit und Schönheit von Musik Ausdruck zu verleihen. Sie führt in eine Welt zwischen tiefempfundenen arabische Melodiebögen und zeitgenössischem Jazz und verzahnt sie zu einem untrennbaren Ganzen – verwegen und kraftvoll, sehnsüchtig und verträumt.

Von und mit Mohamad Fityan, Nay | Marcus Rust, Trompete | Christian Grosch, Orgel

Mohamad Fityan ist ein syrischer Musiker und Komponist, der besonders für seine Virtuosität auf Nay und Kawala bekannt ist. Er absolvierte sein Studium bei Mohamad Kassas und Berj Kassis am Higher Institute of Music in Damaskus und machte dort 2010 seinen Abschluss. Als Solist war Fityan in vielen Ländern auf der ganzen Welt unterwegs und trat mit verschiedenen internationalen Orchestern, wie dem Syrischen Nationalorchester, dem Syrischen Jazz Big Band Orchester, den Berliner Symphonikern, dem Fanfare du Loup Orchester, der Codarts & Royal Conservatory Big Band und dem Sarband Ensemble auf. Seine Musikkarriere führte ihn auf die Bühnen Europas, Asiens, Nordafrikas, des Mittleren Ostens und der Vereinigten Arabischen Emirate. Neben seiner Konzerttätigkeit wirkte Fityan auch an verschiedenen Film-Soundtracks als Musiker auf Nay und Kawala mit.

2014 floh er vor dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland Syrien und kam nach Strausberg, wo er seither lebt. Er arbeitet mit vielen deutschen Musikern zusammen; gründete im Jahr 2016 mit drei Deutschen seine eigene Band

„Fityan“ und veröffentlichte eine erste EP Oriental Space.

Neben seiner Arbeit als Komponist und Musiker ist Mohamad Fityan als Musiklehrer tätig. In Syrien lehrte er unter anderem am Solhi al-Wadi Institut für Musik und im Rahmen des
syrisch-niederländischen Projekts „Music in Me“, das von der UNRWA und den UNICEF SOS Kinderdörfern unterstützt wurde. In Deutschland unterrichtete er an der Orientalischen Sommerakademie und gründete 2018 eine eigene Online-Akademie für Nay und Kawala.

Mit seinem Auftritt in die Andere Welt Bühne findet erstmals ein Konzert Mohamad Fityans, zusammen mit dem Duo ZIA, in seiner neuen Wahlheimat Strausberg statt.

Gastspiel flunker produktionen:

ZEIT, DU CALLBOY DER EWIGKEIT

Straßentheaterinszenierung über Zeit, Mythos und Vergänglichkeit Ein Spiel mit Masken, Schriften und Puppen

Wie kam die Zeit in die Welt? Woher der Stress? Wann und warum der Tod? Was, wenn wir die Zeit anhalten könnten? Oder die Zeitmessung abschaffen? Und wer, bitteschön, ist die Ewigkeit? Um einen vorsintflutlichen Sonnenwagen herum inszenieren sich zwei ungreifbare Wesen – ein Maki und eine Schildkröte – in einem Mythos um die Erschaffung von Zeit und Tod. Sind sie Tiere, Halbgötter, Botschafter einer vergangenen Welt? Mal grotesk und gewaltig, mal zart und liebevoll schauen sie auf das Treiben der Menschen und beleuchten den Ursprung der Taktungen des Lebens auf ihre Weise. Die Menschen selbst rücken auch ins Bild: Das Innere des Wagens wird zu einer Bühne, in der mit Kaukauzki-Puppen die Vertreibung aus dem Paradies und deren Auswirkung in einer absurden Bilderfolge weiterphantasiert wird. Und immer ist es ein Spiel mit und gegen die Erwartungen, in das die Zuschauer von den beiden zwielichten Protagonisten geführt werden: Es streift barockes Mysterienspiel, japanisches Maskentheater und grellen Slapstick, und wird mittels einer gesprächigen LED-Laufschrift wild kommentiert. Die sehr präsente Musik spannt dazu einen Bogen von traditioneller Zeremonie über Industrial Sound hin zu Tango und Minimal Music. Aber ist alles nur eine Farce oder folgt die Inszenierung tatsächlich einer wüsten Absicht? – Ein Anschlag auf alle Sinne.

Spiel: Claudia Engel und Matthias Ludwig   Regie: Hendrik Mannes Musik: Kay Skerra   Ausstattung, Puppen und Kostüme: Claudia Engel     Bühnenbau / Metallbau: Heiko Lehmann

Produktion: flunker produktionen mit Unterstützung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und dem Kulturamt des Landkreises Teltow-Fläming

Dauer : ca. 40 Minuten
Zuschauer: für Erwachsene, Familienpublikum, auch Kinder können unbeschadet schauen

Open Air Inszenierung für Plätze, Feste und Events

2019:

Die Überflüssigen

Ein Western nach wahren Begebenheiten. Von Philipp Löhle.

Premiere: 2.8.2019, 20.00 Uhr

Eddie Seuss kommt nach Jahren in seinen Heimatort Lükke zurück. Er trifft auf alte Bekannte und entdeckt Leere, Ruhe und Natur. Das vorherrschende Nichts fasziniert den PR-Profi aus der Großstadt, es wird für Eddie zur „Königsklasse der Reizunterflutung“. Doch selbst seine wildesten Ideen für eine Standortvermarktung zünden nicht. Dabei könnte es so einfach sein.

mit Ines Burdow, Melanie Seeland, Felix Tittel, Andreas Klumpf und Daniel Heinz.

Regie: Wolfram Scheller, Bühne: Jule Heidelbach, Kostüme: Barbara Schiffner, Dramaturgie: Monika Radl

Eine theater.land Produktion in Kooperation mit der Anderen Welt Bühne.

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Wie, wenn nicht warum ?

Von Gestern über Übermorgen nach Jetzt

Premiere: 6.7.2019, 19.30 Uhr
Dass ganz rechts und ganz links neuerdings am selben Punkt zusammenfinden, darum geht die Rede allerorten.
Aber wo vorne und wo hinten ist – darüber waren sich doch eigentlich immer alle einig!
Wo indes vor und wo hinter dem Vorhang ist, und wer jeweils wo steht mit welchem Standpunkt, das weiß allein die Drehbühne.
Das vermeintlich Einfache, das irgendwie nicht zu machen ist, gerät in der Debatte zweier Rampen-Säu*innen so oder so ins Rampenlicht.
Meint die vielgesagte Phrase von der komplizierter und unüberschaubar werdenden Welt vielleicht nur, dass wir uns ein immer höher aufgelöstes Bild der Gesamtgemengelage zu machen in der Lage sind? Und dass wir somit, zum Glück, komplexere Antworten auf die großen und kleinen Fragen finden können, als unser traditionelles, ideologisches Sortiment uns bietet?!
Sollte, wer fortschrittlich sein will, nicht lieber alte Ideen abhaken, oder was gilt eigentlich für immer?
„Was machst du hier? Was soll das? Wo sind meine Zuschauer?“ – „Keine Ahnung? Meine sind da! Was unterbrichst du mich denn? Wer bist du?“ – „Ich warte auf meinen Monolog, den ich …“ – „Ich nicht. Ich weiß, wo ich bin und was ich tue.“
Nach „Pikeslust“ und „Das Ziel ist im Weg“ freuen wir uns, mit „Wie, wenn nicht warum?“ das dritte Bühnenstück der Autorin und Schirmherrin der Anderen Welt, Frau Pike, auf die Bühne bringen zu dürfen. Augenscheinlich alltägliche Dialoge führen von einem Zusammenhang zum nächsten, wie gewohnt und ganz unzeitgemäß voll lustigschwerer Ironie.

Auf der Bühne: Manuel Mairhofer, Ahamat Gadji Azina und Melanie Seeland

Regie: Jens Bluhm
Licht, Ton und Musik: Jonas Albani
Bühne: Matthias Merkle

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„Horror Vacui? – ein Aushandlungsprozess“ zum Thema 30 Jahre Grenzöffnung

Premiere: 4.5.2019, 19.30 Uhr

Dreißig Jahre ist es her, dass die Mauer fiel. Ein Staat verschwand und Einheit wurde zelebriert. – Ein Grund zum Feiern? Verlieren Gesellschaften mit den Jahren aus dem Blick was sie ausmacht und welche Möglichkeiten sich bieten? Vieles schleift sich ein und ab, zu viel Verdruss, Verlust und Niederlage ergeben zu viel „früher war alles besser“. Gesellschaftliche Herausforderungen erzeugen Schutzreflexe. Institutionelle Schuldzuweisungen und Zukunftsängste folgen. Berechtigte Kritik an bestehenden Verhältnissen verwandelt sich nicht automatisch auf der Projektionsfläche in Zukunftsvisionen, große Utopien, kleine Wünsche. So wird der Abend im besten Sinne zu einer Feier unserer Möglichkeiten, zu einer ergreifenden Show – nicht des Bestehenden, nicht des Erreichten, nicht des Regierungspersonals, sondern zu einem Aufruf! Zum Aufbruch in Denkbares, Undenkbares, Mögliches und Unmögliches!

Der dritte und letzte Teil unserer Trilogie zum Thema Verortung ist eine Untersuchung über den Neuanfang, mit all seinen Folgen. 

Eine Produktion der Anderen Welt Bühne Strausberg in Kooperation mit theater.land

Auf der Bühne: Ines Burdow, Melanie Seeland, Jochen Opitz, Ahamat Gadji Azina

Regie: Rico Wagner

Musik, Ton und Licht: Jonas Albani

Raum/ Drehbühne: Matthias Merkle

dramaturgische Begleitung: Antje Borchardt

Kostüme: Isabell Reisinger

Einrichtung Bühne, Lichtkonzeption: Jule Heidelbach

Produktionsleitung: Wolfram Scheller

Grafik: studioF3

Für die Drehbühne am Hobel und an der Säge: Ahamat Gadji Azina, Ines Burdow, Wolfram Scheller, Ferdinand Schwarz, Melanie Seeland, Rico Wagner und das Holz aus dem Wald nebenan

Konstruktion und Bau: Waldwirtschafterei GmbH

Dank an: 

die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Workshops und Fragebögen,  

Barbara Schwarz, Paul Klinder, Lisann Behm, Hovhannes Martirosyan

Gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.

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2018:

 THEATERFEST

Samstag, 27. Oktober ab 16.00 Uhr

„Fürchtet euch nicht: In Strausberg entsteht ein Theater“ titelt das Theatermagazin Theater der Zeit
im September 2018.

Den Abschluss unserer erfolgreichen ersten Theatersaison möchten wir gemeinsam mit Ihnen/Euch feiern!

Das Team der Anderen Welt Bühne lädt euch/Sie herzlich ein zu einem fröhlichen Nachmittag und Abend rund um Strausbergs neues Theater:

16.00 Uhr Kurzfilmvorführung Un_Gleich

16.30 Uhr Lesung mit Texten aus der Inszenierung „Heimatmaschine“

17.00 Uhr Publikumsgespräch

ab 18.30 Uhr Zwiebelkuchen

19.00 Uhr Publikumsgespräch: Diskutieren Sie mit uns: In wie weit ist Theater ein Mittel, politische Veränderungen in der Gesellschaft wirksam zu debattieren?

Rund um unser Abschlussprogramm freuen wir uns auf einen fröhlichen Austausch und gemeinsame Ideen für die kommende Theatersaison. Für das leibliches Wohl und musikalische Untermalung ist gesorgt.

Eintritt frei

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Gastspiel theater.land:
Drei Schwestern
Schauspiel frei nach Anton Tschechow

Nach dem Tod des Vaters bleiben die drei Schwestern Olga, Mascha und Irina in der Provinz zurück, in die sie niemals wollten und aus der sie sich ständig weg sehnen. Einst wegen der militärischen Karriere des Vaters hergezogen, verlieren ihre Argumente zu bleiben an Tragfähigkeit. Der richtige Moment, um nach Moskau zurückzukehren, scheint endlich gekommen. Doch die drei Schwestern bleiben untätig. Sie reden weiter über Hoffnungen und Wünsche, über die Sehnsucht nach einem besseren Leben, sie debattieren über Arbeit, aber unternehmen nichts. Tragisch ist hier nicht irgendein Ereignis, sondern die Handlungsunfähigkeit der Schwestern, das ungelebte Leben. Das zunehmend leere Gerede ist in seiner Menschlichkeit zugleich absurd und komisch, es breitet sich versöhnlich über dem Abgrund der Tragik aus.

Gastspiel im Rahmen des Theaterring Brandenburg.
Gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, den Landkreis Potsdam-Mittelmark und die Fördermitglieder von theater.land e.V.
Schauspiel: Anna Eger, Lisa Hofer, Elena Nyffeler
Regie/Fassung: Jens Bluhm
Musik/Komposition: Matthias Waldthaler

Freitag, 5. und Samstag, 6. Oktober 2018, 19.30 Uhr

Eintritt: 10,- Euro

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(c) Mathias Rümmler

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Hommage an die Dichterin Helga M. Novak (1935-2013)
Lesung

„Die mit den weichen Augen, die mit dem derben Maul“
Novak, in Berlin Köpenick geboren, adoptiert, empfindet das zugeteilte Elternhaus als unerträglich, vertauscht es mit Vater Staat und Mutter Partei, eckt an, haut ab, nach Island, kommt wieder, geht in die Produktion, heiratet. Wieder Island, schreibt, geht in den Fisch zum Geldverdienen, kommt wieder, eckt wieder an, wird ausgebürgert, lange vor Biermann. Schreibt, im Schreiben überlebt, im Westen veröffentlicht, im Westen gefeiert. In der DDR gibt es ihre Gedichte nur als Abschrift in den Stasiakten. Der Westen wird nicht ihre Heimat, ruhe- und wurzellos zieht sie durch die Welt. „Ich bin ostdeutsch, und ziehe einen Klumpen Hoffnung hinter mir her…“ schreibt sie. Am Ende ihres Lebens kehrt sie zurück, dorthin, wo alles angefangen hat. Weihnachten 2013 stirbt sie in Rüdersdorf bei Erkner.
Fast gleichzeitig erscheint der dritte Band ihrer Autobiografie „Im Schwanenhals“. Mit dieser Lesung soll Helga M. Novak, die als eine der größten deutschen Schriftstellerinnen gilt, in der Öffentlichkeit aber nahezu unbekannt blieb, wieder ins öffentliche Bewusstsein gelangen.

Mit Auszügen aus den beiden ersten Teilen der Autobiografie „Die Eisheiligen“ und „Vogel federlos“. Es werden O-Töne von Helga M. Novak zu hören sein, aufgenommen 1999 im polnischen Wald, wo sie damals mit ihrem Lebensgefährten lebte.

Sonntag, 21. Oktober, Matinee, 11.30 Uhr
Eintritt: 10,- , ermäßigt 8,- Euro

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Heimatmaschine

Premiere 7.9.2018 19.30 Uhr

Wie fragt man nach der Heimat?
Wo oder wann oder wie?
Oder wer?!
Eher doch wo nicht, wer nicht, wann nicht.
Heimat hat mehr mit „nicht“ zu tun als mit was.
Aber dieses „wann“ verstehe ich eh nicht.
Warum bloß nicht!? Wegen dem ewigen Fortbestand? Der exakt 1000 Jahre umfasst?
Nein. Nehmen wir mal an, du bist da wo du sein willst, so alles in allem.
Und du denkst über Heimat nach, obwohl sie dir nicht fehlt …
Dann hast du zu viel Zeit. Zu viel Ruhe.
Kühe verdauen auch in Ruhepausen.
Der Vergleich ist nicht übel. Die Zeit haben, den bereits vorverdauten Nahrungsbrei wieder hochzuwürgen und erneut drauf rum zu kauen.
Das klingt nach Heimat.
Wenn sie da ist, jedenfalls.
Und damit auch das wann; nämlich dann, wenn alles prosperiert, wenn der Laden läuft, wenn es was zu verteidigen gibt.
Für die, die nicht da sind, wo sie sein wollen, ist es anders.
Aber die haben Sehnsucht und nicht Schiss.

Frau Pike, Kurzer Dialog aus Pike’s Heft
Ein Theaterabend in der Collage aus Musik und literarischen Texten aus dem Exil, unter anderen von Anna Seghers, Stefan Heym, Herta Müller, Stefan Zweig, Einar Schleef, Helga M. Novak, Edith Anderson, Deniz Yücel.

Schauspiel: Inés Burdow, Melanie Seeland
Musik: Daniel Dorsch
Choreografie: Maurine Oyuga

Regie: Rico Wagner
Ausstattung: Jule Heidelbach
Ton/ Licht: Jonas Albani

Denker: Ahamad Gadji Azina

Eintritt: 10,- und ermäßigt 8,- Euro

Weitere Vorstellungen:
8. September, 19.30 Uhr
21. September, 19.30 Uhr
22. September, 19.30 Uhr

13. Oktober, 19.30 Uhr

Gefördert durch den Bereich Kunst und Kultur im Landkreis Märkisch-Oderland.

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Foto: Mathias Völzke

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Hommage an Christa Wolf

„Ich hab oft gesagt, dass es über unsere Zeit leider später mal keine Briefliteratur geben wird, weil kein Mensch mehr Briefe schreibt …“
schrieb Christa Wolf einst an Brigitte Reimann.

Die Lesung möchte an Christa Wolf erinnern, die jede Menge Briefe geschrieben hat. – Christa Wolf in Briefen an Schriftstellerkolleginnen und -kollegen, wie Anna Seghers, Brigitte Reimann, an den Schriftstellerverband u. a.
Briefe übers Schreiben, über Zweifel und Verzweiflung, Briefe, die Mut machen sollen, Briefe über den ganz normalen Alltag.
Wir möchten unser Publikum eintauchen lassen in die Zeit der kleinen und großen Widerstände, Nöte und Hoffnungen der Sechziger, Siebziger und Achtziger Jahre in der DDR.

Es lesen: Inés Burdow und Melanie Seeland
21. Juli 2018, 19.30 Uhr, Lesung

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Das Ziel ist im Weg

28. Juli 19.30 Uhr, Premiere

„Ihr wollt eine konservative Revolution? – Ihr könnt uns mal!“
Ein rasanter Theaterabend in der Auseinandersetzung mit Ernst Jüngers Waldgang; trashig, dreckig und in 10 Tagen auf die Bühne gebracht.

Die Damen sind im Wald gelandet: Beatrix und Helena wenden dort allein und gemeinsam die Fragen und Antworten der Jetztzeit hin und her und scheitern (vorläufig?) immer wieder an der unterkomplexen Betrachtung der komplexen Gemengelage. Klima, Migration, Kriege, Konzerndiktaturen … gequirlte Grütze.
Anarchistinnen beide, wenn auch aus unterschiedlichen Lagern und mit verschiedenen Visionen, suchen sie die notwendigen elementaren Begriffe (wieder) anzusiedeln: Freiheit, Selbstbestimmung, Widerstand. Der Anfang heißt: Ich baue mir ein Haus. Ganz einfach.
Finden diese beiden innerhalb dieses Abends den Ausweg aus dem Gewirr heraus, in den Wald hinein, einen Pfad in die richtige Richtung? Jedenfalls nehmen sie immer wieder Anlauf und: was soll’s, egal!
„Denn das Schöne bedeutet das mögliche Ende der Schrecken.“ Und das Lustige vielleicht auch!

Schauspiel: Inés Burdow, Melanie Seeland
Regie: Matthias Merkle
Eintritt: 10,- und ermäßig: 8,- Euro

Weitere Vorstellungen: 4. August 2018, 11. August 2018, jeweils 19.30 Uhr

Strausberg,die andere welt bühne,Premiere,Das Ziel ist im Weg,2

Foto: Andreas Prinz

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„Wer wir waren“, Roger Willemsen

„Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.“ (Roger Willemsen)
Eine Rede zur Gegenwart und zur Zukunft, über die Verantwortung jedes Einzelnen für sich selbst und für die Gemeinschaft.
Roger Willemsens letztes Buch sollte ›Wer wir waren‹ heißen. Es sollte die Versäumnisse der Gegenwart aus der Perspektive derjenigen erzählen, die nach uns leben werden. Dieses Buch werden wir nie lesen können. Umso stärker wirkt die Rede, die Roger Willemsen noch im Juli 2015 gehalten hat: Sie ist nicht nur das melancholische Resümee und die scharfe Analyse eines außergewöhnlichen Zeitgenossen, sondern zugleich das leidenschaftliche Plädoyer für eine ‚Abspaltung aus der Rasanz der Zeit‘. Sie ist ein Aufruf an die nächste Generation, sich nicht einverstanden zu erklären. Roger Willemsen hat diese Rede am 24. Juli 2015 gehalten. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt.

Roger Willemsen, geboren 1955 in Bonn, gestorben 2016 in Wentorf bei Hamburg, arbeitete zunächst als Dozent, Übersetzer und Korrespondent aus London, ab 1991 auch als Moderator, Regisseur und Produzent fürs Fernsehen. Wichtige Veröffentlichungen: Die Enden der Welt, Der Knacks, Momentum und Das Hohe Haus.

Die Rede eines großes Autors gelesen von Inés Burdow und Melanie Seeland

5. August 2018, 11.30 Uhr, Matinee

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2017:

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PIKESLUST

Bodenproben – eine Chronik im Strausberger Gelände

Premiere: 06.10.2017   18.00 Uhr

Präsentation Audiowalk: 20.12.2017   15.00 Uhr

„Pikeslust“ – wo ist das denn? Nie gehört, aber klingt hübsch.

Pikeslust ist ein neuer Ort auf allerhand Karten, mit verschiedenen Ortungssystemen hantierend, erst jetzt eingezeichnet.

Wald mit Beton. Geologische und historische Schichtungen, Durchdringungen, Überlagerungen.
Ein Ort, im Kalten Krieg der Kommunikation gewidmet.
Ein Gelände, derzeit freizügig neuen Bestimmungen auf der Spur.
Der Boden, nach der letzten Eiszeit zum Barnim geschichtelt – so sieht’s hier jetzt eben aus.
Darauf Möbel und Kram installiert, darein Ideen und Hoffnungen projiziert, darin Ideologie und Technologie begraben.
Experten unterschiedlichster Provenienz, Fachleute und Ortskundige, nehmen uns mit ins Freie und vermitteln.

Zwischen den Schichten entdeckt: Frau Pikes Heft. Mitteilungen, Gedanken, Überlegungen einer klugen Unscheinbaren, die Bescheid sagt, nicht um sich selbst zu präsentieren. Die ihre eigene Unvergänglichkeit nicht ihrer Person, sondern der immer schon verfügbaren Radikalität des Denkens überschreibt. Die einen unverkäuflichen Weg von Kunst und Bedeutung sucht, höchstpersönlich.
Das Heft ist gefunden, und Frau Pike erscheint. Muntere Variation der einfachsten und der schwierigsten Frage der Zeit: wo bin ich in dem Ganzen, habe ich eine Bedeutung, welche, wie bringe ich die auf die Straße oder auf’s Tapet, wie mache ich einen Unterschied, wo bleibe ich in der Ewigkeit.
Wenn das geklärt wäre, ist der Rest ein Kinderspiel. Klimawandel, Völkerwanderung, Wohlstandsverteilung, Religionskriege – wird dann schon hinzukriegen sein.

Veritabler Theaterabend in der Vermischung von Dokument und Utopie: schön und begreifbar.
Ein Einstand für ein neues Theaterhaus, eine neue Compagnie, einen neuen künstlerischen Aufbruch genau hier, genau an diesem Ort: in Pikeslust.

Pikeslust ist hier:
Wasserwerk-Theater
c/o „Arbeitstitel Andere Welt“, Garzauer Str. 20, 15344 Strausberg

Regie: Rico Wagner; Autorin: Frau Pike; Ausstattung: Laura Burkhardt; Bildhauerei: Jens Reutermann; Musik: Daniel Dorsch, Jonas Albani; Video: Ferdinand Schwarz; Licht: Arndt Sellentin; Schauspiel: Inés Burdow, Melanie Seeland; mit: Martin Kaule, Mirko Kirsch, Kai Meinhardt, Emmanuel Tagi Encho, Natanael Tekle, Mica Bara, Léon Schröder, Lisann Behm

Wir bedanken uns herzlich bei der Waldwirtschafterei GmbH, Midria e.V., Matthias Merkle, Antje Borchardt, Lilly Albishausen, Philipp Hohenwarter und allen Beteiligten zur Erforschung des Geländes für ihre tatkräftige Unterstützung.

Premiere ist am 6. Oktober 2017 um 18.00 Uhr

und dann wieder am:

7. Oktober 2017 um 19.00 Uhr,
13. Oktober 2017 um 18.00 Uhr,
15. Oktober 2017 um 16.00 Uhr,
21. Oktober 2017 um 19.00 Uhr,
22. Oktober 2017 um 16.00 Uhr.

Um die Inhalte unserer Forschung auch weiterhin erfahrbar zu machen, entwickeln wir einen Audiowalk. Die Präsentation des Audiowalks findet am 20.12.2017 um 15.00 Uhr statt. Weitere Termine folgen im neuen Jahr.

Ministerium-fuer-Wissenschaft-Forschung-und-Kultur-des-Landes-Brandenburg-Logo

Gefördert mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und des Fonds Soziokultur e.V..

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UN_GLEICH

Produktion: Sommer 2017; Premiere: 09.12.2017   19.00 Uhr  Schloss Trebnitz

Konzeptioneller Fixpunkt unseres Projekts ist – angesichts der offenkundigen politischen Brisanz und des Anspruchs, mit künstlerischen Mitteln einen Beitrag zur Debatte zu leisten – der Begriff der Ungleichheit. Der Eindruck von Anders-Sein, Fremd-Sein wird auf allen Seiten als bedeutsam erlebt, diskutiert, bewertet; im Begriff der „Ungleichheit“ nehmen wir hier die konzeptionelle und ausdrucksstarke Zuspitzung an.

Alle Menschen sind gleich.
Genauso gut könnte man aber auch sagen: Alle Menschen sind ungleich.
Aus Unterschieden speisen sich unsere Individualität, unser persönliches Selbstverständnis, unsere Ambitionen, unser Treiben und Tun, das Fortschreiten der Menschheit.

Es gibt aber Ungleichheiten und Ungleichheiten: die gegebenen – unsere Haarfarbe, unsere Körpergröße, unser Geburtsort oder unsere Sprache – und die „produzierten“, die weit mehr Bedeutung für unsere verschieden verlaufenden Lebenswege haben: unterschiedliche Chancen, unterschiedliche finanzielle Möglichkeiten, unterschiedlicher Zugang zu Wissen und Bildung. Diese Ungleichheiten werden vor allem von der marktwirtschaftlichen Ausrichtung der globalen Ökonomie hervorgebracht, die diese Ungleichheiten braucht, herstellt und manifestiert.

Welche Ungleichheiten sind produktiv und kreativ nutzbar (und sowieso unvermeidlich), welche sind schlicht ungerecht und abzuschaffen?
Welche Ungleichheiten müssen wir akzeptieren?
Welche Ungleichheiten produzieren geschlossene gesellschaftliche Gruppen, die in Wirklichkeit keine sind oder keine Bedeutung haben?
Woher kommen einzelne Ungleichheiten?
Was ist gut/schlecht an Ungleichheiten?

In einem dreiteiligen Programm entwickeln wir einen Kurzfilm zum Thema „Ungleichheiten“.
Aus (Alltags-)Erfahrungen von geflüchteten jungen Erwachsenen werden pointierte Filmszenen entwickelt, konzeptionell verdichtet und als Kurzfilm produziert, der die Frage von Fremd-Sein, Anders-Sein, Nicht-gleich-Sein politisch wirksam, zugleich komisch-unterhaltsam debattiert.

In Kooperation mit der Druck gefördert durch den