Adam und die Deutschen

Foto: Marc Bluhm

Uraufführung
»Adam und die Deutschen (Die Mühle)«
Ein Traumspiel von Tine Rahel Völcker

Premiere: 30.7.2021, 19.30 Uhr

TEREZA: Meine Wohnung ist meine Erinnerung.
ADAM: Tak. Und ich darf darin hausen bis ich schlecht werde.

Tereza wohnt mit ihrem erwachsenen Sohn Adam in einer Wohnung in der polnischen Stadt Z. nahe der deutschen Grenze. Hier erholen sich deutsche Kurgäste, während die polnische Jüdin Tereza, deren Familie Flucht und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg durch die Nationalsozialist*innen erfuhr, ruhelos im Gedankenhaus ihrer Erinnerungen wandelt. Adam liest in den hiesigen Kneipen betrunkene deutsche Tourist*innen auf – zunächst Henriette und später Rudi. Adam nimmt sie unter den wachen Augen seiner, der Deutschen müden Mutter zu sich nach Hause; teilt Bett und Bigos mit ihnen. Doch sowohl Henriette als auch Rudi haben eine Mission: Sie will die Rolle ihres Vaters im Zweiten Weltkrieg recherchieren und er Geflüchteten an der ungarischen Grenze helfen. Adam ist lediglich ein Zwischenstopp; doch dieser will und fordert mehr.
»Adam und die Deutschen (Die Mühle)« von Tine Rahel Völcker ist eine Auseinandersetzung mit der deutsch-polnischen Vergangenheit und Gegenwart. Angesichts der geografischen Lage Strausbergs ein höchst spannender Stoff für die Andere Welt Bühne, die Völckers Stück uraufführt. Ihr Text hinterfragt die Konzepte nationaler wie gesellschaftlicher Identitätskonstruktionen und stellt die Auflösung ebenjener tradierten Grenzen zur Disposition. Er porträtiert Figuren verschiedenster Generationen, die sich wie Mühlräder um sich selbst drehen. Unfähig voranzukommen und auszubrechen, verhaften sie verkatert im rauschhaften Zustand des Traumes, in der eigenen Biographie.
»Tine Rahel Völcker ist Autorin von Theaterstücken, Hörspielen und Prosa. Ihre Arbeiten thematisieren häufig die Folgen der nationalsozialistischen Verbrechen und suchen Wege über Gewalt zu sprechen, ohne sie zu reproduzieren. Sie arbeitet gern kollaborativ und ist in queerfeministischen Projekten tätig. Theaterstücke von ihr wurden u.a. am Wiener Schauspielhaus (Die Eisvögel), in Weimar (Die Höhle vor der Stadt in einem Land mit Nazis und Bäumen), am Maxim Gorki Theater Berlin (Madame Bovary), am Düsseldorfer Schauspielhaus (Kein Science Fiction und Eine Orestie) und zuletzt, in eigener Regie, am Berliner Ballhaus Ost (Frauen der Unterwelt) aufgeführt. 2020 erschien ihr Prosadebüt Chantal Akermans Verschwinden. Les Rendez-vous de Tarnów.« (ruakooperative.de)

Gefördert vom Fond Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR

Mit: Inés Burdow, Chris Eckert, Thomas Schimanski und Melanie Seeland | Inszenierung: Paul Spittler | Bühne: Matthias Merkle | Kostüme: Sophie Leypold | Musik & Sounddesign: Jonas Albani | Dramaturgie: Juliane Logsch | Licht: Paul Klinder

Aufführungsrechte: © rua. Kooperative für Text und Regie, Berlin